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Sprache

Nicht die Sprache verhunzen
Sprachliches Entwicklungsland

Nicht die Sprache verhunzen

Die Südtiroler sind heute selbstbewußter und selbständiger geworden, nur wird die Sprache verhunzt. Wenn behauptet wird, der Dialekt fördere die Eigenständigkeit, dann ist das einfach falsch. Vor allem in der Schule und für die Akademiker und Mittelschicht sollte der Dialekt nicht zur Hauptsprache werden. (Viktoria Stadlmayr)

Sprachliches Entwicklungsland

Josef Rampold
Dolomiten, 20. Juli 1996.

Die Stellungnahme "Gefährliches Spiel mit dem Feuer" von Frau Hofrat Viktoria Stadlmayer ("Dolomiten" vom 13./14. Juli) hat für sehr viele Mitbürger, die sich schon lange wegen der deutschen Schule und des mit ihr zusammenhängenden rapiden Verfalls der kulturellen Situation in Südtirol große Sorgen machen, wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Bezüglich des ganzen Theaters um "Immersion", um Mischmasch der Lehrpersonen in der Volksschule und nicht zuletzt um das vermeintliche Ei des Kolumbus, das unser Landeshauptmann dem Herrn Frattini in den Schoß werfen will - bezüglich all dieser faulen Manöver und getarnten Assimilationsbestrebungen hat Frau Stadlmayer klar gesagt: Etwas vom Besten und Sichersten an Pariser Vertrag und Autonomiestatut ist der Artikel 19, der nur einen Nachteil hat, daß ihn unsere italienischen Landsleute nicht durchführen bzw. nicht durchführen wollen. Dies und nichts anderes ist die ganze Wahrheit; man muß sich doch klipp und klar vor Augen führen, daß diesbezüglich jahrelange Gesetzesübertretungen begangen wurden und werden: Oder ist es "Gesetz", wenn die "Deutsch"-Lehrer in den italienischen Schulen eben nicht wirklich deutsch können? Wird das italienische Kind nicht betrogen, wenn man ihm die echte Chance, deutsch zu lernen, gar nicht oder nur unvollkommen gibt? Erst wenn zum Tragen kommt, daß der Sprachunterricht nach dem Statut erteilt wird, kann sich hier etwas ändern; alles sonstige Experimentieren führt zu überhaupt nichts, außer dazu, daß letztendlich die Mehrzahl der Südtiroler Kinder weder Deutsch noch Italienisch kann. - Die politische Seite, die Frau Stadlmayer anspricht, soll hier nicht näher erörtert werden; es sei nur wiederholt: Erst der ehrliche Wille unserer italienischen Mitbürger zum Deutschlernen kann die Situation grundlegend verändern. Was jedoch im genannten Beitrag eher am Rande zur Sprache kommt, bedeutet schon seit Jahren Alarmstufe: Es heißt, daß die Innsbrucker Universitätslehrer nahezu alljährlich über das Abnehmen von Sprachkenntnis und Sprachgefühl bei den Südtiroler Studenten klagen; da liegt nun wirklich des Pudels Kern: Der Unnsinn vom "spielend Lernen" treibt bei uns (ganz ähnlich wie übrigens auch in Österreich und Deutschland) die abenteuerlichsten Blüten. Lernen ist eine Arbeit wie jede andere; im Kindesalter ist natürlich das Spiel sinnvoll einzugliedern. Aber wer laufend an meist rein kommerziell orientierten Wettbewerben teilnimmt, wer (wohlgemerkt während der Unterrichtszeit) Mülltonnen bemalt oder gar Jonglieren (sic!) lernen muß - der hat keine Zeit mehr, um solide Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben. Hier wird jener Grundstock nicht gelegt, der später nur mit größter Mühe oder eben gar nicht mehr zu gewinnen ist. Die Folgen kennen wir alle: Jugend- liche, welche die Hochsprache überhaupt nicht mehr beherrschen, unverständlichen (auch für die Italiener unverständlichen) Dialekt von sich geben, nicht formulieren können, wohl aber italienische und englische Brocken aus der untersten Schublade in ihre "Mundart" mischen. Wer Bewerbungsschreiben kennt, weiß Bescheid. Aber auch bezüglich der Universitäten sei bemerkt, daß von ihnen zuweilen Diplomarbeiten und sogar Dissertationen "verabschiedet" werden, bei deren Lektüre man nur zwei Möglichkeiten offen sieht: Entweder es hat sie der "Vater" nicht gelesen - oder er ist mittlerweile selbst ein Opfer unserer Schul"Reformen" geworden. Dabei hat Südtirol ein nach außen hin ausreichendes Kulturleben; es ist in erster Linie die Volkskultur, die noch unverbrauchte Kräfte hat - soweit sie nicht durch heillose Verkitschung und Vermarktung einer völlig kritiklosen Massenhysterie untergeordnet wird. In der allgemeinen Kulturszene stehen vielfach Können und Präpotenz in einem ungesunden Verhältnis, was durch den Gabensegen der öffentlichen Hand noch gefördert wird; wie wäre es sonst möglich, daß die seelischen Blähungen mancher "KünstlerInnen" freigebig gefördert und als "Lyrik" packweise gedruckt werden? Und wenn jemand nur ihm selbst Erklärbares hinschmiert oder -pinselt, dann wird er in den wiederum subventionierten Galerien als "Künstler" hochgejubelt. Die Folgen eines traurigen sprachlichen und kulturellen Verfalles zeigen sich zum Teil auch auf den Bühnen; da wird "Grillparzer im Pornoladen" importiert, und es gibt schon bald keine grauslige Perversion mehr, die im schönen Südtirol nicht darstellenswert befunden worden wäre; aus Schillers "moralischer Anstalt" ist eine unmoralische geworden, die sich vielfach einer üblen Fäkaliensprache bedient. Genannt wird das dann "Brechen von Tabus". Hier wird bewußt scharf formuliert; aber es ist einfach an der Zeit, einmal das auszusprechen, was sehr viele Landsleute denken, sich aber nicht zu sagen getrauen, weil ihnen sonst von den kulturellen Snobs über den Mund gefahren wird. Nicht viel anders ist es im religiösen Bereich: Als "Kunst" getarnt wird es, wenn religiöse Motive und Inhalte in Wort und Bild in den Schmutz gezogen werden, wenn "Hohn und Spott" das Sagen haben, wie es im Tiroler Bundeslied ungemein aktuell ausgesagt wird. Alle diese unerfreulichen Dinge werden unter den Tisch gekehrt - das alles paßt ja nicht zum Südtiroler Sonntagsgesicht. Daß die großen Werte unserer kulturellen Überlieferung mehr und mehr aus dem Bewußtsein - auch der sogenannten Gebildeten - schwinden, berührt kaum jemanden; daß gutes Deutsch Selten- heitswert hat, stört jene nicht, die sich selbst nur mehr mangelhaft ausdrücken können. - Die ganze Situation ähnelt einem Baum mit einer großen, weiten Krone: Im Geäst tummeln sich alle die Subventionsempfänger, Angehörige von allen möglichen Akademien und Instituten, da wiegen sich die großen Maler und Schriftstellenr im lauen Wind, und da finden sich "Professoren", die lieber verwalten als unterrichten; es ist überhaupt erstaunlich, wie sehr sich so manche Achtundsechziger von der praktischen Arbeit in jener Schule drücken, die sie uns allen eingebrockt haben. Aber der Stamm dieses Kulturbaumes ist abgefault. Der Stamm sollte Fun- dament sein im Sinn von gediegener Bildung, von Ehrlichkeit und Idea- lismus. - Wenn er heute noch hält, so ist das all jenen Schulleuten zu verdanken, die in ihrem Wirken noch immer einen Auftrag für das Weiterleben unserer Kultur sehen. Sie erfüllen diesen Auftrag unter den schwierigsten materiellen Bedingungen und im Kampf gegen eine völlig blödsinnige, vom Staat verordnete Schulbürokratie. Es ist für nicht allzu ferne Zeit abzusehen, daß dieser Stamm bricht; dann werden sehr viele aus den Höhen purzeln und vor der traurigen Erkenntnis stehen, daß Südtirol mit seiner blühenden Wirtschaft kulturell gesehen ein Entwicklungsland geworden ist.

Pater Robert Fingerle - ein Achtziger

Dolomiten, 1. Juni 1996.

Im Heim der Salvatorianer in Obermais vollendete in diesen Tagen ein Jubilar sein 80. Lebensjahr, der dort in aller Stille und Zurückgezogenheit seinen Lebensabend verbringt. Es ist Pater Robert Fingerle, der 25 Jahre lang die Seelsorgsarbeit in Obermais mit seiner Persönlichkeit in beeindruckender Weise gepràgt hat und vielen Obermaisern in bester und lieber Erinnerung ist. Pater Robert liebt keine großen Worte, keine große Feier. Trotzdem sei an dieser Stelle kurz an sein Leben und segensreiches Wirken, das vor allem dem Dienst am Nächsten gewidmet war, in dankbarer Weise erinnert. Robert Fingerle ist 1916 in Bozen geboren, hat dort das Franziskanergymnasium besucht und trat 1930 in den Franziskanerorden ein. In einer Zeit mit Gegenwind für Priesterberufe und Priestertum, und zwar am 7. Jänner 1940, erhielt er die Priesterweihe, nicht etwa im Dom zu Brixen, sondern in der bescheidenen bischöflichen Kapelle. Gleich darauf wurde er zum Wehrdienst einberufen. Glücklich aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, begann Pater Robert im Herbst 1946 für kurze drei Monate in Obermais seine seelsorgliche Tätigkeit. Von 1947 bis 1952 war er in Reutte in Nordtirol als Kooperator tätig; von 1952 bis 1960 unterrichtete er im Franziskanerkloster in Bozen. Vielen jungen Menschen hat er neben dem obligaten Wissen vor allem Lebenssinn und Lebensfreude vermitteln können. Im Herbst 1960 kam Pater Robert nach Obermais, wo er sich durch seine franziskanische Gesinnung, Menschlichkeit und Offenheit in ganz kurzer Zeit die Herzen der Obermaiser erobert hat. Der Gestaltung des Gotteshauses und des Altarraums sowie des Gottesdienstes hat er immer wieder seine Mühe, seine ganze Phantasie und seinen Einsatz geschenkt. Große Sorgfalt galt dem Feiern der Sakramente und den liturgischen Neuerungen. Unvergeßlich geblieben sind die eindrucksvollen und bis ins letzte Detail vorbereiteten Erstkommunionfeiern. Aber trotz aller nachkonziliären Liturgiereformen, Pater Robert war kein wilder Stürmer, sondern ein Mann gesunder, gepflegter Mitte und kein übertriebener Eiferer. Die sonntägliche Versammlung der Gemeinde zum Gebet war ihm wichtig, jeder sollte sich freuen, auch dazuzugehören. In seine Zeit als Seelsorger fallen die Errichtung der Pfarre Obermais, die Renovierung der Georgenkirche, des Widums und des Rebhofes. Künstlerisches Feingefühl bewies er anläßlich der Errichtung des Gefallenendenkmals, einem Werk des Künstlers Karl Grasser. Nicht unerwähnt sei, daß Pater Robert die Gründung der Volkstanzgruppe angeregt und sich für die Gründung des Heimatpflegevereins tatkräftig eingesetzt hat, dessen Ehrenmitglied er heute ist. Man kann Pater Robert als den Heimatpfleger im wahren Sinne des Wortes bezeichnen. Sein feines künstlerisches Empfinden war in allen Bereichen äußerst rege und wachsam. Den Schönheiten der Natur, den Blumen, den Bergen, den Kapellen, Wegkreuzen, den kleinen wie den großen Kunstschätzen, aber nicht zuletzt den Menschen galt sein Interesse; er hat sie unzählige Male in wunderschönen Aufnahmen festgehalten, die inzwischen viele Karten, Bücher und Kalender schmücken. Seine Dias haben vielen Menschen, vor allem auch vielen Jugendlichen, die Augen geöffnet, sei es nach außen wie nach innnen. Wegen seiner Verdienste wurde ihm im August 1983 die Verdienstmedaille des Landes Tirol verliehen. Pater Robert hat seine Kräfte nie geschont. Eine ernste Erkrankung im Jahre 1973 konnte seine Schaffensfreude noch keineswegs mindern, doch ein zweiter schwerer Schlaganfall zwang ihn zehn Jahre später, die Leitung der Pfarrei in jüngere Hände zu legen. Ein Wermutstropfen in seinem erfüllten Leben ist und bleibt der Abschied der Franziskaner von der Pfarre Obermais im September 1985. Mit Erlaubnis des Ordens ist dem allseits geschätzten Pater Robert - Gott sei Dank - dieser Abschied erspart geblieben; seither lebt er bei den Salvatorianerschwestern, wo er freundliche Aufnahme gefunden hat und ihm beste Pflege zuteil wird. Alle seine Freunde und Bekannten freuen sich über den runden Geburtstag und wünschen ihm von Herzen weiterhin viel Gesundheit, Freude und eine glückliche Zeit. Möge ihn die schmerzliche Erfahrung der Vergänglichkeit menschlicher Fähigkeiten wie lesen, sehen, sich bewegen nicht zu sehr entmutigen und nicht vereinsamen lassen. F.

Pater Robert Fingerle starb am 21. Oktober 1999 in der Bozner Marienklinik.